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Max Frisch
(1911 - 1991)

- eine einführung -

 

 

Der Autor und sein Werk

Max Frisch ist eine der bedeutsamsten Gestalten der deutschsprachigen Literatur
des 20ten Jahrhunderts.

Als Schweizer machte ihn die Neutralität seiner Heimat zu einem außenstehenden
Beobachter der Vorgänge in Europa der Zeit seines Lebens keinen durch direktes
Mittun verschwommenen Blick auf die Dinge warf. Zusammen mit Friedrich
Dürrenmatt, dem schweizer Autor der "Physiker" und des "Besuch der alten Dame",
war er der einzige Autor seiner Generation der die Theaterszene der Nachkriegszeit
im deutschen Sprachraum nachdrücklich repräsentierte und beeinflußte. Nur diese
beiden und das Zürcher Schauspielhaus als ihre Bühne konnten sich auf eine nicht
vom Nationalsozialismus beschmutzte, literarisch ungebrochene Tradition berufen.

Und dennoch verfolgte er mit offenen Augen und Bewußtsein die turbulenten und
erschütternden Ereignisse um ihn (und die Schweiz) herum und so spiegeln seine
Werke auch die Probleme wieder über die die Menschheit bei ihrem Fort- (und
Rück)schreiten stolperte.

Wiederkehrende Themen in seinen Werken sind Identität, Schuld und Unschuld,
Selbstbild und die Problematik, die auftritt mit Bildern die wir uns von unseren
Mitmenschen machen und wenn wir sie nur durch diese engen Gucklöcher zu
begreifen versuchen (daher auch das biblische Bildnisverbot).
Weiterhin entspringt aus Frischs perönlichem Hintergrund der Zwiespalt von
rein technisch, analytischer und emotionaler Weltsicht (siehe Homo Faber).

Ein weiteres von Frischs Leitmotiven, die sich sowohl durch seine literarischen,
als auch seine politisch-öffentlichen Arbeiten zieht ist seine Heimat, die Schweiz.

Das Selbstbild der Schweiz als einer weltweit geachteten und auf gesellschaft-
lichem Konsens errichteten Demokratie, einem Hort von Menschenrechten und
Toleranz wird bei Max Frisch einer gründlichen Revision und Hinterfragung unter-
zogen.
Das kleine Land der Alpentäler ist eine Miniaturbühne, auf der die Probleme,
Kämpfe, Ideologien und Verstellungen der Moderne fokussiert zu Tage treten.

Frischs Position fehlt jedoch der dauerhaft erhobene ideologische Zeigefinger
der für andere Autoren, wie z.B. Bertolt Brecht charakteristisch ist. Auch wenn
Brecht ihn in Form und Stil des Epischen Theaters inspiriert hat, ist Frischs Vor-
gehen bei der Modellbildung anderer Art.

Frisch ist eher ein Moralist, der den Leser und Zuschauer die Tiefen der mensch-
lichen Seele ausloten lässt und ihm den Weg bereitet, seine eigenen Schlüsse
aus und bei der Lektüre, bzw. dem Theaterbesuch zu ziehen. Es ist Selbster-
kenntnis, nicht Welterkenntnis und das Vermitteln parteiischer Botschaften auf
das Max Frisch abzielt. In seinen Werken präsentiert er keine Weltsicht, die
vorgibt objektiv zu sein, unbedingten Wahrheitsanspruch zu haben - Frischs
Dramenauffassung ist vielmehr, dass jeder Mensch eine eigene Geschichte
zusammenreime, die er für die Wirklichkeit und sein Leben halte.
Alles was ein Autor daher hoffen kann, ist diese Geschichte nicht durch eine
scheinbare Wirklichkeit, sondern durch eine andere Geschichte zu ersetzen.
Nur als derartige "veränderte Idealisierung" sei Veränderung möglich.



Lebenslauf und Veröffentlichungen
1911

Max Frisch wird in Zürich/Schweiz  am 15. Mai geboren; sein Vater ist Architekt
.

1923 -
1930
.
er besucht das Züricher Realgymnasium
1931 -
1933

Germanistikstudium an der Universität Zürich, er bricht jedoch seine Studien ab und arbeitet als freischaffender Journalist, er bereit Osteuropa und berichtet u.a. von der Eishockey-Weltmeisterschaft in Prag
.
1934

"Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt" ist Frischs erste Veröffentlichung
.

1935

Erste Reise nach Deutschland. Er erlebt die nationalsozialistische Rassenideologie
.
1936 -
1941

Architekturstudium an der ETH (Eidgenössisch Technische Hochschule) in Zürich; er beschließt das Studium mit Diplom, ein Darlehen eines Jugendfreundes hilft ihm bei der Finanzierung des Studiums
.
1937
Die Erzählung "Antwort aus der Stille" wird veröffentlicht
.
1938

Frisch wird mit dem "Conrad Ferdinand Meyer Preis" der Schweiz ausgezeichnet
.
1939 -
1945
.
Wehrdienst als Kannonier im Schweizer Heer, ingesamt 650 Diensttage
1940 schreibt "Blätter aus dem Brotsack"
.
1942

Heirat mit Gertrud Constanze von Meyenburg, eröffnet ein eigenes Architektenbüro in Zürich, und gewinnt den ersten Preis für seinen Entwurf für das städtische Schwimmbad
. 

1943 Tochter Ursula wird geboren
.
1944 "J'adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen" , Geburt des Sohns Hans Peter. Frisch beginnt, Dramen zu verfassen
.
1945 "Nun singen sie wieder" wird als sein erstes Stück am Zürcher Schauspielhaus aufgeführt. "Bin oder Die Reise nach Peking"
.
1946 Reisen nach Deutschland und andere Länder. "Santa Cruz" und "Die chinesische Mauer" werden in Zütich uraufgeführt
.
1947 erneute Reise nach Deutschland. Bekanntschaft mit Bertolt Brecht, Friedrich Dürrenmatt und Peter Suhrkamp der sein Verleger wird. "Tagebuch mit Marion"
.
1949 "Als der Krieg zu Ende war" kommt in Zürich auf die Bühne. Geburt der Tochter Charlotte
.
1950 "Tagebuch 1946 - 1949" wird im neugegründeten Suhrkamp Verlag veröffentlicht - es enthält viele Skizzen späterer Werke
.
1951 "Graf Öderland" wird uraufgeführt. Frisch besucht die USA
.
1953 "Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie" pgleichzeitige Premiere in Zürich und Berlin. Eine Hörspielfassung von "Herr Biedermann und die Brandstifter" wird im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt
.
1954 "Stiller" Frisch trennt sich von seiner Familie. Er verkauft sein Architektenbüro und arbeitet fortan als freier Schriftsteller - der Erfolg seiner Werke hat ihm finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht
.
1957 "Homo Faber" Reisen nach Griechenland und die arabischen Staaten
.
1958 "Biedermann und die Brandstifter" wird in der Bühnenfassung am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt. Firsch erhält den Georg-Büchner-Preis, den bedeutensten Preis für deutsche Literatur. Er hält die Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse und lernt die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann kennen.
.
1959 Scheidung von Constanze Frisch -von Meyenburg
.
1960 -
1962
.
zieht nach Rom, wo er mit Ingeborg Bachmann zusammen lebt
1961
"Andorra" wird in Zürich uraufgeführt und wird innerhalb kurzer Zeit ein Erfolg in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Israel
.
1962 Er lernt die 23-jährige Marianne Oellers kennen, mit der er die nächsten Jahre zusammenlebt
.
1964 "Mein Name sei Gantenbein"
.
1965 Frisch zieht zurück in die Schweiz nach Berzona im Tessin
.
1966 erste Reise in die Sowjetunion, Tod der Mutter
1968 zweite Reise in die UdSSR. Heirat mit Marianne Oellers. "Biographie. Ein Spiel" wird uraufgeführt
.
1969 besucht Japan
.
1971 Aufenhalt in den USA, "Wilhelm Tell für die Schule"
.
1972 "Tagebuch 1966 -1972"
.
1974 "Dienstbüchlein" erneuter USA-Aufenhalt, Verhältnis zur 31jährigen Alice Locke-Carey
.
1975 "Montauk"
.
1976 Frisch wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet
.
1978 Triptychon. Drei szenische Bilder"
.
1979 "Der Mensch erscheint im Holozän". Scheidung von Marianne Oellers
.
1980 Wohnsitz in New York, USA und Berzona, Schweiz
.
1982 "Blaubart. Eine Erzählung"
.
1983 "Forderungen des Tages. Portraits, Skizzen, Reden 1943-1982"
.
1984 Verlegung des Hauptwohnsitzes nach Zürich
.
1987 Reise nach Moskau
.
1989 "Schweiz ohne Armee? Ein Palaver"
.
1990 "Schweiz als Heimat? Versuche über 50 Jahre"
1991 Max Frisch stirbt am 4. April in seiner Züricher Wohnung

Wikipedia-Artikel zu Max Frisch

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Max Frisch - Eine Einführung
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Letztes Update: 10.02.2001
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